C-Schlüssel

cschlC-Schlüssel – muß das sein?

Selbstverständlich ist dies eine rhetorische Frage, denn:

  1. Alt– und Tenorschlüssel kommen in jeder Orchesterpartitur und vielen Kammermusikwerken vor.
  2. Der Diskantschlüssel (Sopranschlüssel) erscheint (immerhin seltener als noch vor wenigen Jahrzehnten) in Urtextausgaben, Gesamtausgaben, Leihmaterial usw. – ist also für Dirigenten/innen, Musikwissenschaftler/innen ein Muß.
  3. Die alte Vokalpartituranordnung, mit der man die beiden praxisrelevanten C-Schlüssel ausgezeichnet trainieren kann, verlangt zusätzlich den Diskantschlüssel, seltener den Mezzosopranschlüssel (C-Schlüssel auf der 2. Linie).
  4. Dem Lesen aller C-Schlüssel kommt zusätzlich ein hoher methodischer Wert zu, denn: Beim Erlernen der C-Schlüssel können Sie das Notenlesen ein zweites Mal in Ihrem Leben von Grund auf neu erlernen – nun, während des Studiums, auf professioneller Basis. Das bedeutet im einzelnen:
    • Eingefahrene Lesegewohnheiten werden durchbrochen – zuverlässiger, als wenn Sie Partituren ausschließlich aus den bekannten Schlüsseln spielen.
    • Eine unter versierten Pianisten/innen (mit Recht) verbreitete tabulaturhafte Leseweise (Notenbild und Griff werden sicher und rasch assoziiert) wird überwunden (deswegen nicht unbedingt verlernt). Allein für sich wäre sie für das Erfassen von Partiturbildern nicht ausreichend.
    • Wer die Gewöhnung an ausschließlich zwei Bedeutungen der Notenköpfe im (Violin- und Baßschlüssel) aufgeben mußte, dem oder der fällt das Transponieren leichter (und umgekehrt).

Noch ein etwas lästerliches Argument: in meiner Lehrtätigkeit erlebe ich stets, daß das wöchentliche Partiturspielpensum keineswegs sorgfältiger, intensiver (also auch: motivierter) geübt wird, wenn es sich um moderne Partiturbilder handelt. Anders gesagt: Wenn schon nicht geübt wird, dann wenigstens die alten Schlüsseln nicht üben (besser klingt der Satz, wenn Sie die beiden Worte nicht streichen).

Vorgehensweise beim Erlernen der C-Schlüssel

Man kann beim Erlernen neuer Schlüssel zwischen relativen und absoluten Lesemethoden unterscheiden. Die auf relativen Lesevorgängen beruhenden Methoden sollte man nach Möglichkeit vermeiden. Leider sind sie im heimlichen Lehrplan die beliebtesten.

Methoden relativen Lesens führen zu (täuschenden) Anfangserfolgen. Sie behindern jedoch die eigentlich notwendigen Lernprozesse, denn:

  • Etwas Sachfremdes wird geübt; der Schlüssel (das eigentliche Problem) wird bestenfalls nebenbei gelernt.
  • Es handelt sich um (scheinbare) Vereinfachungen: der Weg ist weniger steil, jedoch ein Umweg und damit länger. Der direkte Weg wäre steiler und anfangs mühevoller, aber kürzer.